Sommeruniversität Rinteln 2012
Sommeruni Rinteln 2012 - achte Hochschulorientierungswoche im Weserbergland

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Jede Menge Kräuter im "Hortus Medicus"

Thema der Sommeruniversität: "Ernestina" hatte einen der ersten botanischen Gärten Mitteleuropas

Rinteln (cok). Die Stadt Rinteln besaß mit der "Ernestina" einst eine eigene Universität, und zu dieser Universität gehörte einer der ersten botanischen Gärten in Mitteleuropa. Wenn am 16. Juli die "Rintelner Sommeruniversität" beginnt, können die jungen Teilnehmer auch ein Seminar im Fachbereich Biologie/ Ökologie belegen, das sich mit der Geschichte des "Hortus Medicus" befasst.

Die Dozentin Birgit Brinkmann aus Deckbergen ist zwar keine Biologin, dafür aber eine Soziologin, die zusammen mit Stefan Meyer vom Museum Eulenburg und der Arbeitsgruppe "Spurensuche Historische Universität Rinteln" Informationen rund um den Botanischen Garten zusammengetragen hat. "Unser erstes Anliegen bestand darin, zu prüfen, ob man den Botanischen Garten in seiner originalen Gestalt wieder aufleben lassen könnte", erklärt sie. "Aber das ist wohl leider unmöglich!"

Der 4000 Quadratmeter große Garten, der mit der Gründung der "Ernestina" im Jahr 1621 eröffnet und durch den Fürsten Ernst auch reichlich mit zahlreichen einheimischen und ausländischen Pflanzen ausgestattet worden war, er lag dort, wo sich jetzt Teile des Schulhofes der Realschule befinden. Alte Pläne zeigen, dass er etwa 37 Meter breit war, 105 Meter lang und aufgeteilt in zehn gleichmäßige Felder. In erster Linie sollte er den Medizinstudenten als anschauliches Unterrichtsfeld über Kräuter- und Heilpflanzen dienen und dazu auch exotischen Pflanzen in einer beheizbaren Orangerie Raum bieten. Darüber hinaus wurde er in einer Art frühen Werbebroschüre für Rinteln als besondere Attraktion hervorgehoben, die dazu beitrug, der Stadt "äußerlichen Glanz und Schmuck" zu verleihen.

Welche Pflanzen der Botanische Garten im Einzelnen enthielt, das lässt sich allerdings nur bruchstückhaft rekonstruieren. "Natürlich kann man, auf Grund seiner Funktion als Lehrgarten der Medizinischen Fakultät, davon ausgehen, dass er die damals bekannten Heilpflanzen enthielt", so Brinkmann. Aber es gab auch immer wieder Zeiten, in denen der Garten ganz am Boden lag, sei es, weil der Krieg über ihn hinwegfegte, sei es, weil der Gärtner den Garten für sein eigenes Auskommen nutzen musste, sei es auch, weil nicht genug Medizinstudenten eingeschrieben waren, um einen aufwendig gestalteten "Hortus Medicus" halten zu können.

Sicher ist, dass es Zitrusbäume gab, Weinstöcke, Eiben mit dem Nervengift Taxin, Frantz-(Zwerg-)Bäume und jede Menge "Kräutergewächse". Im Jahre 1645 züchtete der Medizinprofessor Wilhelm Deichmann ein für damalige Verhältnisse sensationelles Rosmarinbäumchen darin, das ist verbürgt. Und bei solchen Informationen setzt Birgit Brinkmann auch mit ihrem Seminarkonzept an: "Ich will den Studenten nicht nur eine allgemeine Einführung geben, sondern mit ihnen einen Plan entwerfen, wie ausgewählte historische Pflanzen an besonderen Plätzen in der Stadt an den alten Botanischen Garten erinnern könnten - Biologie,Ökologie und Stadtplanung in einem."

Wer mehr wissen will und sich für eine Teilnahme an der Sommeruniversität Rinteln vom 16. bis zum 22. Juli interessiert, findet Informationen im Internet unter "www.sommeruni-rinteln.de".

© Schaumburger Zeitung, 20.05.2005